Variation über einen Mantel

Der Mantel des Schweigens, gebreitet
in der Dunkelheit, der schützende Mantel
des Zweifels, die gehütete Zunge;
Gogols beredter Mantel, die Schatten
der Zweige draußen; sie alle
geistern durch dieses alte, längst fällige
Haus. – "Wie geht's, altes Haus?"

Ich schütze ihn vor, den verschlossenen,
verräterischen Mantel.
Umgebe damit die Dunkelheit.
Mich hütet die Zunge, es weiden die Worte,
lauter fremdartige Tiere, meine Zweifel.
Zweige geistern durch meinen Schatten:
Er fällt. Das Schweigen bricht mich.

aus: Hamersky, Hehn, Schlott, "Die Sehnsucht, die ist mir so leicht"
Schreiben im Exil, Pop Verlag, 2016

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