Herzlich willkommen beim Exil-P.E.N. im Internet!

Im Exil-P.E.N., Sektion deutschsprachiger Länder, sind vorwiegend Autoren, die aus politischen Gründen ihre Heimat verließen oder gar verlassen mussten, verbunden.
Schriftsteller, die im Exil leben, schauen auf einen weiten Horizont. Ihr Blick richtet sich oft über Grenzen hinaus und in die Details anderer Gesellschafts- und Lebensformen hinein. Das kann für eine Gesellschaft, die sich dafür öffnet, von Nutzen sein – nicht im Sinne von Besserwisserei, sondern zur Erweiterung von Erfahrung. Und wie könnte diese lustvoller geschehen als durch Literatur?
Wir laden Sie ein, hier die Autoren des Exil-P.E.N. kennenzulernen – sowohl durch eine sich aufbauende Sammlung ihrer Texte, als auch durch Stellungnahmen zum (literarischen) Zeitgeschehen.

Ursula Teicher-Maier

Prof. Dr. Wolfgang Schlott
Präsident des Exil-PEN deutschsprachiger Länder im International P.E.N
Wollwirkergasse 25
93047 Regensburg

Herrn
Michael Hurshell
Hasenberg 1
01 067 Dresden

Sehr geehrter Herr Hurshell,

mit Scham und Empörung habe ich von den amtlichen Anweisungen der Dresdner Behörden aus Anlass des Gedenktages an die Nazi-Pogrome vom 9. November 1938 erfahren. Es ist für mich ein unerträglicher Tatbestand, dass eine demokratisch gewählte Stadtverwaltung einerseits zum Schutz Dresdner Bürgerinnen und Bürger aus hygienischen Erwägungen die Veranstaltung in mahnender Erinnerung an den Pogromterror der Nazis ins Internet "verlagert", andererseits den rechtsextremen Wirrköpfen der Pegida die Erlaubnis erteilt, sich zu ihrer Montagsdemo in der Dresdner Innenstadt zu treffen.
Ich bedaure es sehr, dass ich erst gestern von dieser empörenden bürokratischen Regelung erfahren habe. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen im Namen unseres Präsidiums und der Mitglieder unseres Exil-PEN unsere moralische Unterstützung in Ihrem Protest gegen die Entscheidung der städtischen Behörden kund tun. Eingedenk der anwachsenden antisemitischen Hetze und der gezielten mörderischen Aktionen gegen Mitglieder der jüdischen Gemeinden gilt es umso mehr, nicht nur wachsam zu sein, sondern den rechtsextremistischen Kräften jeglichen Widerstand zu leisten, auch und vor allem von Seiten der staatlichen Institutionen wie auch der kommunalen Verwaltungen.
Der Exil-PEN deutschsprachiger Länder hat vor allem in den vergangenen zehn Jahren in zahlreichen Protestresolutionen auf diese bedrohliche Entwicklung aufmerksam gemacht. Er schließt sich den Protesten gegen die bürokratischen Regelungen Dresdner Behörden aus Anlass des Pogrom-Gedenktages am 9. November an.

Mit solidarischen Grüßen und Chalom

Prof. Dr. Wolfgang Schlott (im Namen der Mitglieder unseres Exil-PEN)

Regensburg, Ulm, Berlin, Dresden am 11. November 2020

 

Prof. Dr. Wolfgang Schlott
Präsident
 

Ministerium für Kinder, Familien, Flüchtlinge und Integration
des Landes NRW
Geschäftsstelle der Härtefallkommission
Haroldstraße 4
40 213 Düsseldorf

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Petition für die iranischen Bürger/innen Ahmad Ghorbani und Hananeh Rahmani – Ablehnung ihres Asylantrags – Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom 14.08.2020, AZ: 8136055-439

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 19.08.2020 wandte sich Herr Ahmad Ghorbani an den Exil-P.E.N. deutschsprachiger Länder mit der Bitte, ihm und seiner Ehefrau Hananeh Rahmani nach der erneuten Ablehnung ihres Asylantrags zu helfen. Dieser Bitte komme ich nach Empfehlung des Rechtsanwalts Dr. John Spiekermann (Duisburg) und nach Durchsicht der zahlreichen Kopien von Dokumenten, die mir Herr Ghorbani zugeschickt hat, unbedingt nach. Hierbei handele ich auch auf Aufforderung der Mitglieder der international tätigen Exil-P.E.N.-Vereinigung, in dieser Angelegenheit einen scharfen Protest gegen den Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge einzulegen.

Nach Durchsicht der zahlreichen Dokumente, die mir Herr Ghorbani zugeschickt hat, komme ich zu folgender Einschätzung: Der Schriftsteller, Songwriter und Dramatiker Ghorbani und dessen Ehefrau sollen laut Bescheid des Bundesamts f. Migration und Flüchtlinge innerhalb von zwei Wochen die BR Deutschland verlassen und in den Iran zurückkehren. Diese Entscheidung stellt meiner Ansicht nach eine nicht verantwortbare Gefährdung für deren leibliche Existenzdar, der sie nach ihrer Rückkehr in den Polizeistaat Iran ausgesetzt wären. Diese Einschätzung fußt auf der Tatsache, dass Herr Ghorbani nachweislich in Form von öffentlichen Kommentaren in diversen sozialen Medien gegen willkürliche Handlungen des Mullah-Regimes protestierte.

 

Herr Ghorbani nimmt auf diese Weise als mündiger Bürger das Recht wahr, gegen unrechtmäßige Entscheidungen von Behörden in seinem Geburtsland zu protestieren. Außerdem haben sich Herr Ghorbani und seine Ehefrau Hahnani Rahmani an ihrem Aufenthaltsort Wesel redlich um eine Integration bemüht. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es aus unserer Sicht unverständlich, weshalb es zu einer erneuten Ablehnung ihres Asylantrages gekommen ist.

In unserer Petition, die von mehr als sechzig Mitgliedern unserer Exil-Vereinigung unterstützt wird, fordern wir eine Überprüfung der Entscheidung des Bundesamts. Aus unserer Sicht ist es fahrlässig und nicht vertretbar, wenn demokratisch eingestellte Bürger/innen, die unter Gefahr für Leib und Seele aus dem Iran geflohen sind, in ihr Heimatland zurückgeschickt werden, obwohl ihnen dort eine willkürliche strafrechtliche Verfolgung droht.

Wir bitten mit allergrößtem Nachdruck und im Namen von mehr als fünf Dutzend Schriftsteller/innen, die selbst traumatische Erfahrungen mit den diktatorischen Regimen während des Kalten Krieges in Ost- und Südosteuropa durchleiden mussten, um eine wohlwollende Prüfung und Anwendung der Härtefallregelung für das Ehepaar Ahmad Ghorbani und Hananeh Rahmani.

Für diese wohlwollende Prüfung und Unterstützung in dieser Angelegenheit danke wir vorab.

Mit freundlichen Grüßen

 

Wolfgang Schlott


Lieber hochverehrter Hans Bergel,

im Namen aller Mitglieder des Exil-PENs möchte ich Ihnen - im Verbund mit meinem persönlichen Geburtstagsbrief - meine herzlichsten Glückwünsche zu Ihrem heutigen Geburtstag übermitteln. In Ihrer länger als zehn Jahre währenden Mitgliedschaft in unserem Verein haben Sie uns in zahlreichen Lesungen im Rahmen unserer Jahrstagungen einen tiefen Einblick in Ihr umfangreiches literarisches und publizistisches Werk ermöglicht. Auf diese Weise haben Sie uns als bedeutender Vertreter der siebenbürgischen Literatur mit einem Kapitel deutsch-rumänischer Geschichte vertraut gemacht. Für mich war es eine besondere Freude, einige Ihrer Publikationen in Fachzeitschriften und Zeitungen rezensiert zu haben. Meine Kenntnis der gegenwärtigen rumänischen Geschichte beruht in vieler Hinsicht auf der aufmerksamen Lektüre Ihrer Bücher und den leider nur wenigen Gesprächen mit Ihnen. Umso freudiger ist der Anlass meines Beitrags für die website des Exil-PEN. An Ihrem 95. Geburtstag, an dem ich leider im fernen Bremen weile und diese Zeilen schreibe, bin ich in Gedanken bei Ihnen. Im Namen aller Mitglieder unseres Vereins der deutschsprachigen Exil-Schriftstellerinnen und Schriftsteller danke ich Ihnen für Ihren Beitrag zu unseren Aktivitäten. Möge dieser Tag für uns alle ein Anlass für eine weitere produktive Zusammenarbeit für ein geeintes Europa sein, an dem Sie, hochverehrter Herr Bergel, mit Ihrem literarischen und publizistischen Wirken, in vieler Hinsicht beteiligt sind. Ich wünsche Ihnen dabei viel Gesundschaft, Freude am poetischen Schaffen und baldiges Wiedersehen im Rahmen unseres Vereins.

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Dr. Wolfgang Schlott - Präsident des Exil-PEN deutschsprachiger Länder, 26.Juli 2020

 

Die Flüchtigkeit
Für Hans Bergel im Juli 2020 kurz vor seinem 95.

 

Die Flüchtigkeit der ach so freundlichen Aktien
ist dein Anliegen nicht, noch meins: bei deren
vermeintlichen Höhenflügen vermissen wir beide
die Dimension, auf die es uns ankommt: die Tiefe;
umso mehr zählt jene des Augenblicks, die beständige
Unbeständigkeit dieses Wimpernschlags Leben,
die Bodenlosigkeit seines Schwankens
auf schwankendem Boden;
das Fahren auf Sicht durch dichten Nebel
mit den ausgefallensten,
jetzt ausgefallenen Messinstrumenten;
das ungebärdige, gebärdenreiche Stochern
ahnungsloser Akteure auf weitläufiger Bühne
in der trüben Brühe weltbewegender Gerüchteküche.

Wer kennt die Unterschiede besser zwischen Schlägen
ins Wasser und Stürmen im Glas? Selten war einem
so klar, dass mit Haartrocknern gegen die Regenzeit
nicht anzukämpfen ist.

Schier verzweifelt manches Mal bei den langen Gefechten
gegen die Aporien des Windes und die langsamen Mühlen
der Ignoranz schlägst, nur scheinbar unermüdlich,
du die Ratschläge der Freunde aus: „Nimm eine Auszeit!
Nimm dir Zeit!“ – voller Trotz, als hättest du die Zeit nicht.
(Verlässliches Zeugnis davon legt deine Stimme ab,
das atemlos Hastende in, das Drängende, Treibende hinter
ihr: als hättest du keine Zeit).

So ist es aber auch: man kann sie sich nicht nehmen, Zeit
ist unser Leben, wir haben die Zeit nicht – sie hat uns!
Wir sind die ihren, „lachenden Munds“.

Es ist ein Fallen in allem: eine dumme Bemerkung fällt,
„Diese Hand da fällt“. Und es ist eine Lust,
„unendlich sanft“ zu fallen und dabei
„niemandes Schlaf zu sein“.

Hellmut Seiler

 

* Die verwendeten Zitate stammen von Rainer Maria Rilke

facebook Kontakt