Herzlich willkommen beim Exil-P.E.N. im Internet!

Im Exil-P.E.N., Sektion deutschsprachiger Länder, sind vorwiegend Autoren, die aus politischen Gründen ihre Heimat verließen oder gar verlassen mussten, verbunden.
Schriftsteller, die im Exil leben, schauen auf einen weiten Horizont. Ihr Blick richtet sich oft über Grenzen hinaus und in die Details anderer Gesellschafts- und Lebensformen hinein. Das kann für eine Gesellschaft, die sich dafür öffnet, von Nutzen sein – nicht im Sinne von Besserwisserei, sondern zur Erweiterung von Erfahrung. Und wie könnte diese lustvoller geschehen als durch Literatur?
Wir laden Sie ein, hier die Autoren des Exil-P.E.N. kennenzulernen – sowohl durch eine sich aufbauende Sammlung ihrer Texte, als auch durch Stellungnahmen zum (literarischen) Zeitgeschehen.

Ursula Teicher-Maier

Die sich seit Monaten häufenden antisemitischen Hetzkampagnen gegen unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die wachsende Zahl an Provokationen von Seiten rechtsradikaler Organisationen und Splittergruppen gegenüber jüdischen Gemeinden, die von Hass und Willkür getragenen körperlichen Attacken muslimischer Mitbürger gegen Menschen, die die Kippa tragen oder sich als Menschen mosaischen Glaubens zu erkennen geben, veranlassen die Mitglieder unserer Schriftstellervereinigung, ihren Protest gegen diese schändliche Hetze aus den Reihen rassistisch verblendeter Mitbürger zum Ausdruck zu bringen. Mit dieser entschiedenen Willenskundgebung erklären sie sich auch mit allen Mitgliedern jüdischer Gemeinden solidarisch, unter denen viele Einwanderer vor allem aus ost- und südosteuropäischen Ländern noch vor wenigen Jahren antisemitische Hetze und Benachteilgung erleiden mussten. Umso schändlicher ist es, wenn sie nun wieder von blindwütigen, ideologisch verblendeten Mitbürgern verfolgt werden. Es ist deshalb dringend geboten, nicht nur solidarische Bekundungen für unsere jüdischen Brüder und Schwestern öffentlich zu machen, sondern sich auch für den Schutz unserer jüdischen Gemeinden einzusetzen, gegen jegliche rassistische antisemitische Hetzparolen aufzutreten und seine Empörung über hassgeladene Äußerungen öffentlich zu machen.
Die Mitglieder unserer Schriftsteller-Vereinigung, die aus mehr als 15 europäischen, asiatischen und afrikanischen Ländern stammen, bekunden, mit dieser Erklärung ihre entschiedene Abwehrhaltung gegen die wachsenden versteckten und offenen Hetzkampagnen mit ihren literarischen und journalistischen Texten und Aufrufen zum Ausdruck zu bringen. Sie sind in ein Land gekommen, das sich mit Bitterkeit und Scham an die systematische Vernichtung deutsch-jüdischer und jüdischer Mitbürgerinnen und MItbürger durch die nationalsozialistische Mörderbande vor mehr als siebzig Jahren erinnert und bekunden nun, in der Stunde erneuter Bedrohung jüdischer Gemeinden, ihre Solidarität mit ihren verfemten Brüdern und Schwestern.

Ota Filip (1930-2018) 

Abschied, Gedenken und Würdigung einer Schriftsteller-Persönlichkeit

Der am 9. März 1930 in Schlesisch-Ostrau geborene und am 2. März 2018 in Garmisch- Partenkirchen verstorbene tschechische und deutsche Schriftsteller Ota Filip gehörte jener Generation von tschechischen Autoren an, die auf zweifache Weise unter den schrecklichen Machtverhältnissen nach dem II. Weltkrieg leiden mussten. Nach dem Abitur 1948 arbeitete er nach Abschluss eines Fernstudiums an der Karls-Universität in Prag als Zeitungs- und Rundfunkredakteur. Nach einer einjährigen Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei wurde er aus deren Reihen wegen regimekritischer Äußerungen im Jahr 1960 ausgeschlossen. In den 1960er Jahren wurde er wegen „staatsfeindlicher Aktivitäten“ zweimal zu Haftstrafen verurteilt. Zwischen seinen Gefängnisaufenthalten schickte er literarische Manuskripte an bundesdeutsche Verlage. Auf diese Weise konnte er beim S. Fischer Verlag in den 1960er Jahren drei Romane publizieren, und in der Vorphase des Prager Frühlings durfte er den viel beachteten Roman „Café an der Straße zum Friedhof“ in einem tschechischen Verlag veröffentlichen. Ungeachtet seiner wachsenden Anerkennung als Schriftstellers wurde er 1969, nach der Niederschlagung des Prager Reform-Sozialismus, erneut wegen so genannter systemkritischer Aktivitäten in Haft genommen. Nach seiner Entlassung arbeitete er in verschiedenen Berufen, solange bis er mit seiner Familie in die Bundesrepublik Deutschland ausgebürgert wurde. In den 1970er und 1980er Jahren arbeitete er als Lektor, Kultur- und politischer Redakteur, publizierte eine Reihe von hoch gelobten Romanen, unter denen vor allem „Die Himmelfahrt des Lojzeck Lapáček aus Schlesisch-Ostrau“, „Großvater und die Kanone“, „Café Slavia“ wie auch „Das Russenhaus. Roman um Gabriele Münter und Wassily Kandinsky“ herausragten.

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