Herzlich willkommen beim Exil-P.E.N. im Internet!

Im Exil-P.E.N., Sektion deutschsprachiger Länder, sind vorwiegend Autoren, die aus politischen Gründen ihre Heimat verließen oder gar verlassen mussten, verbunden.
Schriftsteller, die im Exil leben, schauen auf einen weiten Horizont. Ihr Blick richtet sich oft über Grenzen hinaus und in die Details anderer Gesellschafts- und Lebensformen hinein. Das kann für eine Gesellschaft, die sich dafür öffnet, von Nutzen sein – nicht im Sinne von Besserwisserei, sondern zur Erweiterung von Erfahrung. Und wie könnte diese lustvoller geschehen als durch Literatur?
Wir laden Sie ein, hier die Autoren des Exil-P.E.N. kennenzulernen – sowohl durch eine sich aufbauende Sammlung ihrer Texte, als auch durch Stellungnahmen zum (literarischen) Zeitgeschehen.

Ursula Teicher-Maier


Lieber hochverehrter Hans Bergel,

im Namen aller Mitglieder des Exil-PENs möchte ich Ihnen - im Verbund mit meinem persönlichen Geburtstagsbrief - meine herzlichsten Glückwünsche zu Ihrem heutigen Geburtstag übermitteln. In Ihrer länger als zehn Jahre währenden Mitgliedschaft in unserem Verein haben Sie uns in zahlreichen Lesungen im Rahmen unserer Jahrstagungen einen tiefen Einblick in Ihr umfangreiches literarisches und publizistisches Werk ermöglicht. Auf diese Weise haben Sie uns als bedeutender Vertreter der siebenbürgischen Literatur mit einem Kapitel deutsch-rumänischer Geschichte vertraut gemacht. Für mich war es eine besondere Freude, einige Ihrer Publikationen in Fachzeitschriften und Zeitungen rezensiert zu haben. Meine Kenntnis der gegenwärtigen rumänischen Geschichte beruht in vieler Hinsicht auf der aufmerksamen Lektüre Ihrer Bücher und den leider nur wenigen Gesprächen mit Ihnen. Umso freudiger ist der Anlass meines Beitrags für die website des Exil-PEN. An Ihrem 95. Geburtstag, an dem ich leider im fernen Bremen weile und diese Zeilen schreibe, bin ich in Gedanken bei Ihnen. Im Namen aller Mitglieder unseres Vereins der deutschsprachigen Exil-Schriftstellerinnen und Schriftsteller danke ich Ihnen für Ihren Beitrag zu unseren Aktivitäten. Möge dieser Tag für uns alle ein Anlass für eine weitere produktive Zusammenarbeit für ein geeintes Europa sein, an dem Sie, hochverehrter Herr Bergel, mit Ihrem literarischen und publizistischen Wirken, in vieler Hinsicht beteiligt sind. Ich wünsche Ihnen dabei viel Gesundschaft, Freude am poetischen Schaffen und baldiges Wiedersehen im Rahmen unseres Vereins.

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Dr. Wolfgang Schlott - Präsident des Exil-PEN deutschsprachiger Länder, 26.Juli 2020

 

Die Flüchtigkeit
Für Hans Bergel im Juli 2020 kurz vor seinem 95.

 

Die Flüchtigkeit der ach so freundlichen Aktien
ist dein Anliegen nicht, noch meins: bei deren
vermeintlichen Höhenflügen vermissen wir beide
die Dimension, auf die es uns ankommt: die Tiefe;
umso mehr zählt jene des Augenblicks, die beständige
Unbeständigkeit dieses Wimpernschlags Leben,
die Bodenlosigkeit seines Schwankens
auf schwankendem Boden;
das Fahren auf Sicht durch dichten Nebel
mit den ausgefallensten,
jetzt ausgefallenen Messinstrumenten;
das ungebärdige, gebärdenreiche Stochern
ahnungsloser Akteure auf weitläufiger Bühne
in der trüben Brühe weltbewegender Gerüchteküche.

Wer kennt die Unterschiede besser zwischen Schlägen
ins Wasser und Stürmen im Glas? Selten war einem
so klar, dass mit Haartrocknern gegen die Regenzeit
nicht anzukämpfen ist.

Schier verzweifelt manches Mal bei den langen Gefechten
gegen die Aporien des Windes und die langsamen Mühlen
der Ignoranz schlägst, nur scheinbar unermüdlich,
du die Ratschläge der Freunde aus: „Nimm eine Auszeit!
Nimm dir Zeit!“ – voller Trotz, als hättest du die Zeit nicht.
(Verlässliches Zeugnis davon legt deine Stimme ab,
das atemlos Hastende in, das Drängende, Treibende hinter
ihr: als hättest du keine Zeit).

So ist es aber auch: man kann sie sich nicht nehmen, Zeit
ist unser Leben, wir haben die Zeit nicht – sie hat uns!
Wir sind die ihren, „lachenden Munds“.

Es ist ein Fallen in allem: eine dumme Bemerkung fällt,
„Diese Hand da fällt“. Und es ist eine Lust,
„unendlich sanft“ zu fallen und dabei
„niemandes Schlaf zu sein“.

Hellmut Seiler

 

* Die verwendeten Zitate stammen von Rainer Maria Rilke

NEUER LITERATURPREIS GEGRÜNDET

Eine Gruppe von Schriftstellern, Literaturwissenschaftlern und Journalisten,
bestehend aus Werner Kremm, Horst Samson, Olivia Spiridon, Erwin Josef Tigla als Gastgeber und Joachim Wittstock
hat auf Anregung des Schriftstellers Hellmut Seiler den
Rolf-Bossert-Gedächtnispreis
ins Leben gerufen, um die Erinnerung an diesen viel zu früh verstorbenen Dichter und sein Werk wachzuhalten.

Damit geht die Gründung eines Förder-und Freundeskreises einher, der neuen Mitgliedern offensteht.

Der Preis wird alljährlich im Rahmen der Deutschen Literaturtage in Reschitza verliehen, die 2020 zum 30. Mal ausgetragen werden. Er ist mit 1000-€ dotiert.

Erwartet werden namentlich gekennzeichnete deutschsprachige unveröffentlichte Texte - bis 5 Gedichte oder Aphorismen bzw. bis 5 DIN A 4-Seiten Kurz-/Minimalprosa bis jeweils den 15. Februar an die
Deutsche “Alexander Tietz”-Bibliothek Reschitza/Biblioteca Germana „Alexander Tietz“ Resita,
Bd. Revolutia din Decembrie Nr. 22, RO-320086 RESITA
und im pdf-Format an die Mailadresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Die XXX. Auflage dieser Literaturtage findet 2020 vom 26.-29. März an obengenanntem Ort statt.

 

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle und die Tötung von Passanten durch einen von Rassenwahn befallenen Täter ist nur die extremste Form eines sich seit Jahren in Deutschland wie auch in zahlreichen anderen Ländern ausbreitenden dumpfen antisemitischen Hasses. Die statistischen Befragungen verdeutlichen dieses bedrohliche Meinungsspektrum: Mehr als 30 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland äußert sich latent oder öffentlich judenfeindlich. Diese Einstellung wird sowohl von rechtsextremistischen, linksradikalen wie auch Islam-assoziierten Kreisen getragen.

Der Exil-P.E.N. deutschsprachiger Länder, in dem Mitglieder aus mehr als 15 Ländern vereint sind, und der sich auf der Grundlage der Charta des Internationalen P.E.N. für die Bekämpfung von Rassen- und Völkerhass einsetzt, ruft unsere demokratisch eingestellte Gesellschaft in Deutschland zu geschlossenem Handeln gegen den sich ausbreitenden Antisemitismus auf. Er wendet sich in Publikationen, Lesungen und öffentlichen Bekundungen gegen die sich ausbreitenden Lügen, Verleumdungen und die Entstellung von historischen Fakten, und er fordert zu solidarischem Handeln mit gesellschaftlichen Organisationen auf, die 70 Jahre nach der systematischen europaweiten Vernichtung von Juden durch die Nazis ihre Aufklärungsarbeit unvermindert fortsetzen.

Schützt unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger gegen die Demagogie der Geschichtsfälscher und gegen die Hasstiraden derjenigen, die diffuse Unzufriedenheit mit demokratischen Verhältnissen für ihre Hass geladene Propaganda benutzen.

Präsidium, Vorstand und Mitglieder des Exil-P.E.N. Club Deutschland
30. Oktober 2019

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