Herzlich willkommen beim Exil-P.E.N. im Internet!

Im Exil-P.E.N., Sektion deutschsprachiger Länder, sind vorwiegend Autoren, die aus politischen Gründen ihre Heimat verließen oder gar verlassen mussten, verbunden.
Schriftsteller, die im Exil leben, schauen auf einen weiten Horizont. Ihr Blick richtet sich oft über Grenzen hinaus und in die Details anderer Gesellschafts- und Lebensformen hinein. Das kann für eine Gesellschaft, die sich dafür öffnet, von Nutzen sein – nicht im Sinne von Besserwisserei, sondern zur Erweiterung von Erfahrung. Und wie könnte diese lustvoller geschehen als durch Literatur?
Wir laden Sie ein, hier die Autoren des Exil-P.E.N. kennenzulernen – sowohl durch eine sich aufbauende Sammlung ihrer Texte, als auch durch Stellungnahmen zum (literarischen) Zeitgeschehen.

Ursula Teicher-Maier

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle und die Tötung von Passanten durch einen von Rassenwahn befallenen Täter ist nur die extremste Form eines sich seit Jahren in Deutschland wie auch in zahlreichen anderen Ländern ausbreitenden dumpfen antisemitischen Hasses. Die statistischen Befragungen verdeutlichen dieses bedrohliche Meinungsspektrum: Mehr als 30 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland äußert sich latent oder öffentlich judenfeindlich. Diese Einstellung wird sowohl von rechtsextremistischen, linksradikalen wie auch Islam-assoziierten Kreisen getragen.

Der Exil-P.E.N. deutschsprachiger Länder, in dem Mitglieder aus mehr als 15 Ländern vereint sind, und der sich auf der Grundlage der Charta des Internationalen P.E.N. für die Bekämpfung von Rassen- und Völkerhass einsetzt, ruft unsere demokratisch eingestellte Gesellschaft in Deutschland zu geschlossenem Handeln gegen den sich ausbreitenden Antisemitismus auf. Er wendet sich in Publikationen, Lesungen und öffentlichen Bekundungen gegen die sich ausbreitenden Lügen, Verleumdungen und die Entstellung von historischen Fakten, und er fordert zu solidarischem Handeln mit gesellschaftlichen Organisationen auf, die 70 Jahre nach der systematischen europaweiten Vernichtung von Juden durch die Nazis ihre Aufklärungsarbeit unvermindert fortsetzen.

Schützt unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger gegen die Demagogie der Geschichtsfälscher und gegen die Hasstiraden derjenigen, die diffuse Unzufriedenheit mit demokratischen Verhältnissen für ihre Hass geladene Propaganda benutzen.

Präsidium, Vorstand und Mitglieder des Exil-P.E.N. Club Deutschland
30. Oktober 2019

Der Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e.V. verleiht Iris Wolff den Thaddäus-Troll-Preis 2019 für ihren im Otto Müller Verlag erschienenen Band "So tun, als ob es regnet".
In der Jury-Mitteilung heißt es: "...ein Buch, mit dem es der Autorin gelingt, auf kleinster Fläche, poetisch und in perspektivischer Vielschichtigkeit, einen facettenreichen Ausblick in die Raumtiefen des 20. Jahrhunderts zu eröffnen. In vier so luftig wie dicht verwobenen Erzählungen wird, was gemeinhin die „große Geschichte“ genannt wird, erfahrbar als Intensitäts- und Intimraum der je im Mittelpunkt stehenden Figur. Während Nebenfiguren zu Protagonisten werden, ein Ring mit Bedacht seine Besitzerinnen wechselt und die Lebenden die Worte der Toten sprechen, entsteht die Zeit als sich vertiefender Raum."
Iris Wolff wurde 1977 in Hermannstadt geboren und ist Mitglied des Internationalen Exil-P.E.N.

Prof. Dr. Wolfgang Schlott, Präsidium des Exil-P.E.N. und dessen Mitglieder

Nachruf auf Günter Kunert

In meiner Eigenschaft als amtierender Präsident des Exil-P.E.N. deutschsprachiger Länder im Internationalen P.E.N., der Nachbarsektion des PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland, möchte ich im Namen unseres Präsidiums und aller Mitglieder meine tiefe Trauer über den Tod des langjährigen Präsidenten und Ehrenpräsidenten des PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland, Günter Kunert, aussprechen.

Günter Kunert ist vor allem für die aus der DDR stammenden Mitglieder unserer Vereinigung eine integre, vorbildhafte Persönlichkeit gewesen, die mit untergründiger Ironie, schlagfertigem Witz, nüchterner Darlegung gesellschaftlicher Prozesse und mit sarkastischen Kommentaren die Beschränktheit der Politik und die Unmündigkeit unserer Bürgerinnen und Bürger in Erzählungen, Hörspielen, Gedichten und Romanen hellsichtig dokumentiert hat. Seine Werke haben markante Denkspuren in der tief gespaltenen deutsch-deutschen Öffentlichkeit hinterlassen.

Wir werden die klugen Botschaften seiner Texte, seine couragierte Haltung gegenüber dem SED-Regime und die hintergründigen Sinnbilder in seinen Kunstwerken in wacher Erinnerung bewahren.

Wir verneigen uns in tiefer Trauer und Anerkennung vor Günter Kunert, einer Persönlichkeit, die mit ihren schriftstellerischen und künstlerischen Werken wie auch ihrer vorbildlichen, kritischen bürgerrechtlichen Haltung für uns ein Sinnbild einer demokratischen Öffentlichkeit geworden ist.

Regensburg/Berlin/Ulm 22.09.2019

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