Herzlich willkommen beim Exil-P.E.N. im Internet!

Im Exil-P.E.N., Sektion deutschsprachiger Länder, sind vorwiegend Autoren, die aus politischen Gründen ihre Heimat verließen oder gar verlassen mussten, verbunden.
Schriftsteller, die im Exil leben, schauen auf einen weiten Horizont. Ihr Blick richtet sich oft über Grenzen hinaus und in die Details anderer Gesellschafts- und Lebensformen hinein. Das kann für eine Gesellschaft, die sich dafür öffnet, von Nutzen sein – nicht im Sinne von Besserwisserei, sondern zur Erweiterung von Erfahrung. Und wie könnte diese lustvoller geschehen als durch Literatur?
Wir laden Sie ein, hier die Autoren des Exil-P.E.N. kennenzulernen – sowohl durch eine sich aufbauende Sammlung ihrer Texte, als auch durch Stellungnahmen zum (literarischen) Zeitgeschehen.

Ursula Teicher-Maier

UNSER LANGJÄHRIGER PRÄSIDENT WURDE 80!

Als ich 1999 in den Exil-PEN aufgenommen wurde, haben wir einander kennengelernt. Ich weiß noch, es war in einem Schloss bei Bonn, wo wir unsere Tagung abhalten durften. Und wir beide wurden umgehend vertraut miteinander: schon beim ersten Gespräch erzähltest du von deiner vermeintlichen „Republikflucht“ aus Rumänien (!) – und deiner Haft ebenda. Eine Gemeinsamkeit war entstanden, die sich seither nur noch bestätigt und vertieft hat.

Seit 2006 bist du unser Präsident. Ich kenne niemanden, der dieses nicht immer seetüchtige Schiff allen Widrigkeiten, Strudeln und Gegenströmungen zum Trotz mit so ruhiger Hand auf Gewässern gesteuert hätte, die sich aus zahlreichen Quellen aus ganz unterschiedlichen Richtungen speisten; und das, ohne jemals die Contenance zu verlieren – wiewohl es auch dazu genügend Anlässe gegeben hätte. Dabei immer unauffällig – ein untrügliches Kennzeichen wahrer Autorität.

Vielen unserer – jetzigen wie ehemaligen – Mitgliedern hast du Wege geglättet, durch hoch profilierte Besprechungen und persönliche literarische Betreuung; und durch deine ausgleichende Art vereinsinterne Dissonanzen aufgelöst, ohne den Kontrahenten eine Verbrüderung zuzumuten. Das sind Führungsqualitäten, die unsere Hochachtung verdienen.

Als ungemein vielseitiger Schriftsteller, der immer für eine Überraschung gut ist und dem zuverlässig der Schalk im Nacken sitzt, hast du dich uns nie aufgedrängt; fast, dass Mitglieder es erst im Nachgang erfuhren: nachdem du sie nämlich erst gefördert hattest.

Darüber hinaus war die Zusammenarbeit mit dir im Präsidium sachlich, aber hochsensibel.

Es ist mir, lieber Wolfgang, ein ganz besonderes Anliegen, dir noch viele produktive Jahre zu wünschen: zu unser aller Freude, auch – und besonders – als treue Leser!

Hellmut Seiler

- Generalsekretär -

 

Lieber Wolfgang,

zu deinem 80. Geburtstag gratuliere ich dir herzlichst mit 3Gs - Gesundheit, Glück und Greativität - und bedanke mich herzlichst für die guten Jahre 2006 - 2014, die wir einander zugewandt als Präsident und als Generalsekretär für den "Exil-P.E.N. - Sektion deutschsprachige Länder" zusammenarbeiten konnten.

Mein Dank, lieber Wolfgang, geht aber auch über das Jahr 2014 hinaus, bis zu dem heutigen Tag, und selbstverständlich darüber noch einmal hinaus, sogar in der Hoffnung, dass du an unserer Spitze eine weitere Legislaturperiode wirkst.

Dank auch für dein selbstloses, auch für dein politisches Engagement, mit dem du uns präsidial und würdig geführt hast, das sich in einer Reihe von nachdrücklichen Protestnoten und Resolutionen niedergeschlagen hat, die du in unser aller Namen und zur Unterstützung drangsalierter oder inhaftierter, in Diktaturen und Autokratien lebenden Kolleginnen und Kollegen verfasst hast.

Dank, lieber Wolfgang, auch für deinen weit offenen Blick in die schriftstellerische Schaffenswelt unserer Mitglieder, von dem auch ich in Form von Rezensionen aus deiner feinen Feder profitierte, Besprechungen, die du über meine Bücher geschrieben hast, auch wenn ich da nicht jedem Satz zustimmen konnte, der dir dazu einfiel. Es schmälert mich nichts meine Dankbarkeit für deine Aufmerksamkeit, die du meinem dichterischen Tun höchst achtsam und für mich immer auch mit Erkenntnisgewinn geschenkt hast.

Mögen dir noch viele, viele gute Zeiten, Jahre der Freude und der Schaffensfreude gegeben sein. Ich wünsche es dir von ganzem Herzen!

Merci, also mii de multumiri, mit allerbesten Grüßen und dem Wunsch auf bleibende Freundschaft, Dein

Horst Samson

 

 

 

Nachruf auf unser Mitglied František Šedivý

Die Nachricht vom Ableben unseres langjährigen Mitglieds im Internationalen Exil-PEN-Club erreichte mich im Laufe der Woche. Am 23. Februar 2021 ist František Šedivy in Zadní Třebaň unweit von Prag, im Alter von 93 Jahren gestorben, eine außerordentliche Persönlichkeit, die in schreckensgleichen Zeiträumen beispielhafte couragierte Aktivitäten gegenüber zwei Diktaturen entwickelt hat. Nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Hitler-Wehrmacht leistete er in den frühen 1940er Jahren aktiv Widerstand gegen den Terror der deutschen Besatzungsmacht. Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft engagierte er sich seit 1945 im Untergrundkampf gegen das kommunistische Regime in der Tschechoslowakei, 1952 wurde er wegen angeblichen Hochverrats und Spionage zu 14 Jahren Freiheitsentzug verurteilt bis er 1964 auf Bewährung entlassen wurde. Er leistete seine Haftstrafe unter brutalen Bedingungen im Uran-Bergbau im westböhmischen Jáchymov und in der Nähe von Příbram ab. Nach seiner Entlassung arbeitete er als Schweißer in einem Prager Baubetrieb. Erst nach dem politischen Umbruch im Dezember 1989 konnte er sich wieder politisch und literarisch betätigen. Er engagierte sich in der Konföderation politischer Häftlinge, deren Vizepräsident er seit 2009 war und publizierte eine Reihe von Büchern zu politischen Themen, darunter auch seine schrecklichen existentiellen Erfahrungen im Uran-Bergbau. In dem auch auf deutsch erschienenen Werk „Uran für die Sowjetunion“ (vgl. Leipzig, Evangelisches Verlagsanstalt, 2015, mit der diesem Nachruf beigefügten Besprechung) schildert er in der Figur des Pavel seinen Überlebenskampf.

František Šedivý, der eine Reihe von Ehrungen, darunter auch aus den Händen des Präsidenten Václav Havel erhielt, habe ich persönlich auf den Tagungen des Exil-PEN kennenlernen dürfen. Ich habe ihn als bescheidenen und zugleich engagierten Bürger der neuen tschechischen Republik erlebt und bewundert.

Mit dem Ableben von František Šedivý verbindet vor allem die ältere Generation in unserer Exil-PEN-Vereinigung schmerzliche, alarmierende Erinnerungen an Diktaturen, aber auch den Weckruf, sich im Kampf gegen den unbelehrbaren rechtsradikalen Mob zu engagieren, länderübergreifend im Rahmen der Europäischen Union notwendige Aufklärung über die Folgen eines blindwütigen Nationalismus zu leisten. František ist uns nicht zuletzt aufgrund seines aufopferungsvollen Widerstands gegen zwei Diktaturen ein überzeugendes Beispiel für demokratisches Engagement geworden. Wir werden ihn in die Ehrentafel unseres international tätigen Vereins aufnehmen, gemeinsam mit unseren tschechischen Exil-Mitgliedern sein vorbildliches Lebenswerk und seine literarischen und publizistischen Werke in Erinnerung bewahren.

Prof. Dr. Wolfgang Schlott, Präsident des Exil-PEN deutschsprachiger Länder,
27. Februar 2021

Prof. Dr. Wolfgang Schlott
Präsident des Exil-PEN deutschsprachiger Länder im International P.E.N
Wollwirkergasse 25
93047 Regensburg

Herrn
Michael Hurshell
Hasenberg 1
01 067 Dresden

Sehr geehrter Herr Hurshell,

mit Scham und Empörung habe ich von den amtlichen Anweisungen der Dresdner Behörden aus Anlass des Gedenktages an die Nazi-Pogrome vom 9. November 1938 erfahren. Es ist für mich ein unerträglicher Tatbestand, dass eine demokratisch gewählte Stadtverwaltung einerseits zum Schutz Dresdner Bürgerinnen und Bürger aus hygienischen Erwägungen die Veranstaltung in mahnender Erinnerung an den Pogromterror der Nazis ins Internet "verlagert", andererseits den rechtsextremen Wirrköpfen der Pegida die Erlaubnis erteilt, sich zu ihrer Montagsdemo in der Dresdner Innenstadt zu treffen.
Ich bedaure es sehr, dass ich erst gestern von dieser empörenden bürokratischen Regelung erfahren habe. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen im Namen unseres Präsidiums und der Mitglieder unseres Exil-PEN unsere moralische Unterstützung in Ihrem Protest gegen die Entscheidung der städtischen Behörden kund tun. Eingedenk der anwachsenden antisemitischen Hetze und der gezielten mörderischen Aktionen gegen Mitglieder der jüdischen Gemeinden gilt es umso mehr, nicht nur wachsam zu sein, sondern den rechtsextremistischen Kräften jeglichen Widerstand zu leisten, auch und vor allem von Seiten der staatlichen Institutionen wie auch der kommunalen Verwaltungen.
Der Exil-PEN deutschsprachiger Länder hat vor allem in den vergangenen zehn Jahren in zahlreichen Protestresolutionen auf diese bedrohliche Entwicklung aufmerksam gemacht. Er schließt sich den Protesten gegen die bürokratischen Regelungen Dresdner Behörden aus Anlass des Pogrom-Gedenktages am 9. November an.

Mit solidarischen Grüßen und Chalom

Prof. Dr. Wolfgang Schlott (im Namen der Mitglieder unseres Exil-PEN)

Regensburg, Ulm, Berlin, Dresden am 11. November 2020

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